» 20.04.2018 10:30

Das Teilprojekt Pflegecontrolling nach § 80 SGB XI

Pflegecontrolling und Pflegevisiten sind wichtige Bausteine von kundenorientiertem Management in der Altenhilfe. Allerdings ist der Begriff "Controlling" in der Pflege häufig noch mit negativen Assoziationen besetzt. Dabei ermöglicht erst bewusstes Hinsehen und Wahrnehmen, dass gute Fachlichkeit sichtbar gemacht wird und gezielt weiterentwickelt werden kann.
Pflegecontrolling nimmt die Dienstleistungsqualität der Pflege in den Blick. Richtig betrieben, ist Pflegecontrolling als Mittel der Qualitätssicherung verlässlich, objektiv und wirkungsvoll.
Pflegevisiten sind ein wichtiger Teil des Pflegecontrollings. Inzwischen bilden sich ganz unterschiedliche Formen heraus.
Allen Formen gemeinsam ist, dass sie direkt beim pflegebedürftigen Menschen ansetzen und nach Zufriedenheit - auch der Angehörigen - fragen. Diese Zufriedenheit wird gemessen, die Qualität der geplanten und praktizierten Pflege, sowie die Vernetzung des Dienstleistungsangebotes überprüft.

1. Definition
Eine Pflegevisite ist eine Form von Controlling und Fachberatung unter Einbeziehung der Bewohner/Innen und ggf. ihrer Angehörigen.
Zentrales Anliegen einer Pflegevisite ist es, für die Professionellen und die pflegebedürftigen Menschen eine optimale Transparenz der Begleitung und Pflege zu schaffen. Die pflegebedürftigen Menschen sollen dabei nach Möglichkeit in die Planung des Angebotes einbezogen werden.
Nach einem kurzen Informationsaustausch zwischen den Pflegenden und der verantwortlichen Pflegefachkraft über den allgemeinen Zustand der pflegebedürftigen Person finden die Pflegevisiten beim Bewohner statt, wobei die meisten Informationen im Gespräch von den Hilfe bedürftigen Menschen selbst und ihren Angehörigen gegeben werden.
Im Anschluss an die Pflegevisite werden Informationen und Planungen mit Hilfe des Dokumentationssystem vertieft und ggf. die Pflegeprozessplanung modifiziert. Die Durchführung einer Pflegevisite ist in der Pflegeprozessdokumentation zu vermerken.

2. Ziele
Im Rahmen der Weiterbildung zur Pflegedienstleitung an der F+U Akademie für Wirtschafts- und Sozialmanagement in Heidelberg führen wir eine Projektarbeit im Bereich Pflegecontrolling mit dem Ziel, Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität in einer Einrichtung zu evaluieren, durch.
Somit ist es möglich, die Qualität Ihrer Einrichtung und die Zufriedenheit aller Beteiligten zu steigern.
Durch den Einsatz von Pflegecontrolling und Pflegevisiten setzen Sie einen ständigen Verbesserungsprozess in Gang. Damit können Sie auch den MDK-Prüfungen gelassen entgegensehen.
Es werden unterschiedliche Zielebenen erfasst:

  • Die objektive, messbare Situation des pflegebedürftigen Menschen
  • Das subjektive Erleben des Bewohners der Pflegesituation und die Übereinstimmung seiner Wünsche / Bedürfnisse mit dem Pflegeangebot
  • Das diesbezügliche Erleben seiner Pflegepersonen bzw. Angehörigen
  • Die organisatorischen und betriebswirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Pflegesituation

Die gewonnenen Daten sollten den RUMBA-Forderungen entsprechen, das heißt:

3. Inhalte
In der Pflegevisite werden u.a. folgende Elemente der Leistungsgestaltung unter die Lupe genommen:

  • Kundenbezogene Aspekte
    • Grad der Ressourcenorientierung
    • Angemessenheit des Pflegeangebotes und des Hilfsmitteleinsatzes
    • Bedürfnisorientierung
    • Umfang der Partizipation und Selbstbestimmung in puncto Angebotsgestaltung
    • Grad der Übereinstimmung des Angebotes mit der Pflegeeinstufung
  • Mitarbeiterbezogene Aspekte
    • Grad der fachlichen Kompetenz, beispielsweise in Bezug auf die getroffenen Beobachtungen in der Pflegesituation
    • Ausprägung von Flexibilität und Kundenorientierung
    • Rationalität und Praktikabilität der Selbstorganisation in den Arbeitsprozessen
  • Managementbezogene Aspekte - Fragestellungen hierzu sind u.a.:
    • Ausprägung der Umsetzung des Leitbildes und seine konkrete Ausgestaltung
    • Berücksichtigung der organisationsspezifischen Qualitätsstandards, beispielsweise bezüglich Bezugspersonenpflege, Kommunikationskultur, Serviceorientierung, Zeitplanung
    • Grad der Vertrautheit und Anwendungsrealität pflegetheoretischer Konzepte (z.B. Krohwinkel, Orem, Peplau)
    • Umsetzung der Pflegeprozessplanung, z.B. Begründungen zu Pflegezielen und -maßnahmen
    • Erfassen von Aspekten der Mitarbeiterzufriedenheit, z.B. durch Beobachtungen während der Pflegevisite und in den begleitenden Gesprächen
    • Beobachtungen zur Unternehmenskultur, z.B. im Bereich Umgang mit Kritik

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