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» 23.07.2018 05:49

Fachforum Schmerzmanagement

„Signale aus dem Körper“
„Schmerzen müssten nicht sein – doch leider werden die Erkenntnisse der Schmerzforschung in der Praxis oft nicht umgesetzt. Besonders ältere Menschen leiden oft unter Schmerzen“, so Petra Weber, Leiterin der F+U Akademie für Wirtschafts- und Sozialmanagement. Zum ersten Mal fand am 09. November 2006 ein Fachforum der F+U-Einrichtung statt, die Fort- und Weiterbildungsangebote im Gesundheits- und Pflegebereich anbietet.

Weber begrüßte rund 150 Teilnehmer, darunter zahlreiche Absolventen und Studenten der Akademie, sowie fünf Referenten zum Fachforum Schmerzmanagement im Hilde-Domin-Saal der Stadtbücherei Heidelberg. Die zentrale Frage war, wie man die Erkenntnisse der modernen Schmerzforschung in die Praxis umsetzen kann und welche Probleme dabei noch ausgeräumt werden müssen.

Petra Weber (Akademie für Wirtschafts- und Sozialmanagement), Andreas Haupt (Referent), Dr. Birgit Zöller (Referentin), Gudrun Schinz (Referentin), Dr. Klaus Sommer (Referent), Klaus Nitsch (Akademie für Wirtschafts- und Sozialmanagement)

Rechtliche Probleme und Besonderheiten in der Pflege erläuterte Heidrun Schinz, Rechtsanwältin und Dozentin für Pflegerecht bei der F+U Akademie für Wirtschafts- und Sozialmanagement, den Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Sie wies gleich zu Anfang darauf hin, dass sich die Pflege im Spannungsfeld „zwischen dem Anspruch des Patienten auf Behandlung und dem Heilungsauftrages des Arztes befindet“. Die Rechtslage ist nicht eindeutig: Es sei oft unklar, was der Pfleger in welcher Situation tun dürfe. Dies führt natürlich zu Unsicherheiten. Für die Zukunft müssen unbedingt eindeutigere Regelungen erarbeitet werden. Als Lösung biete sich daher eine präzise Schmerzerfassung, eine klare Kommunikation und eine umfassende Ressourcenausschöpfung an.

Dr. Johannes Greten, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Traditionelle Chinesische Medizin

Dr. Klaus Sommer mit Handpuppe Max

Ihre Erfahrungen als Fachärzte für Anästhesiologie und Schmerztherapie brachten Dr. Birgit Zöller und Dr. Klaus Sommer ein. „Viele Ärzte haben keine Zeit, Schmerzen zu diagnostizieren“, kritisierte Dr. Birgit Zöller. Mit den Schmerzen sei es dabei wie bei einem Computer: Wenn der Körper die Hardware und das Gehirn die Software darstelle, dann sei der Schmerz wie ein Computervirus, der ähnlich schwierig zu entfernen sei. Darum betonte Birgit Zöller in ihrem Vortrag die Wichtigkeit einer ausführlichen, gründlichen Diagnostik.
Dr. Klaus Sommer forderte, dass Pflege und Ärzte besser zusammenarbeiten müssen. Besonders die Kommunikation untereinander müsse optimiert werden.

Für ein verbessertes Schmerzmanagement, besonders aber für die Integration komplementärer Heilverfahren plädierte auch Dr. Johannes Greten, Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Traditionelle Chinesische Medizin (DGTCM). Er sprach über die Bedeutung der TCM bei der Schmerzbekämpfung. „Vier von fünf Schmerzpatienten lassen sich zusätzlich noch komplementär, z.B. mit TCM, behandeln. Ihrem Hausarzt erzählen sie davon aber nichts.“ Greten vertritt das so genannte Heidelberger Modell, mit dessen Hilfe die TCM nach wissenschaftlich-objektiven Maßstäben erforscht wird. Seiner Ansicht nach ist die TCM-Diagnose als westlich nachvollziehbare, vegetative Funktionsdiagnose verstehbar. Dabei sei mit TCM nicht nur Akupunktur, sondern auch manuelle Therapie, Arznei und Diätetik gemeint.
Einen Vortrag direkt aus der Praxis hielt Andreas Haupt, der Residenzleiter der DRK Residenz Bad Friedrichshall und Vorsitzende des Pflegenetzes Heilbronn. Seine Einrichtung war beteiligt an der modellhaften „Implementierung des Expertenstandards Schmerzmanagement“ des Deutschen Netzwerks für Qualitätsentwicklung in der Pflege. Die DRK Residenz Bad Friedrichshall führte unter anderem Schmerzskalen ein, um die Schmerzen der Heimbewohner besser einschätzen zu können und schulte die Mitarbeiter intensiv. Der Aufwand hat sich gelohnt: die DRK Residenz Bad Friedrichshall bekam den Preis „Deutscher Pflegemanagement Preis 2006“.

Für das leibliche Wohl während der Veranstaltung sorgten hervorragend die Schüler der F+U Gastronomieschule in Ludwigshafen mit Kaffee, Kuchen und Häppchen. Die fleißigen Mitarbeiter der Akademie für Wirtschafts- und Sozialmanagement haben die Veranstaltung ausgezeichnet vorbereitet und durchgeführt. Aufgrund der positiven Resonanz sollen auch künftig Fachforen stattfinden, das nächste am 25. Oktober 2007; das Thema dann: Wachkoma.

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